Strassennamen Linz
Stadtleben

Diese Straßennamen wünschen wir uns für Linz

In Linz werden gerade Straßennamen geprüft. Falls etwas umbenennt werden sollte – wir haben ein paar Vorschläge parat.

Nachdem man in Linz letztens draufgekommen ist, dass es irgendwie nicht so super ist, wenn man Straßennamen nach ehemaligen NSDAP-Mitgliedern (hüstel, Dinghofer) benennt, werden jetzt alle 1.148 Verkehrsflächen danach geprüft, ob eh passt, wie sie heißen. Falls die problematischen Fälle dann umbenannt werden, hätten wir jetzt schon mal ein paar Straßennamenvorschläge für die Stadt Linz.

Aueggerweg

Erste Anwärterin für unser Fräulein-Flora-Straßennamen-Wunschspiel: Henriette Auegg. Als sie 12 war, musste sie aus finanziellen Gründen die Schule abbrechen – und brachte sich einfach selbst alles bei, was sie so wissen wollte. Später wurde sie ausgerechnet Erzieherin und kümmerte sich um hochwohlgeborene Grafensöhnchen, während sie sich nebenbei in Medizin und Theologie vertiefte. Weil sie anscheinend noch nicht alle Hände voll zu tun hatte, begann sie irgendwann mit Kranken- und Armenpflege, wurde eine ziemlich angesehene Person beim Roten Kreuz, leitete einen Verein für Erzieherinnen und oh, haben wir schon erwähnt, dass sie nebenbei auch noch Essays und Arbeiten über Krankenpflege schrieb?

Dass Henriette Auegg eine wirklich badass motherfucker war, finden nicht nur wir – Österreich-Ungarn verlieh ihr den Elisabeth-Orden (der einzige „Damenverdienstorden“ der Monarchie). Ach so, und sie wurde in Linz geboren. Müssen wir noch mehr sagen oder können wir schon mal die neuen Straßenschilder drucken lassen?

Hedda-Wagner-Straße

Hedwig Elisabeth Maria Wagner (uff – wer würde das nicht auf Hedda abkürzen?) sprach circa hundert verschiedene Fremdsprachen, spielte ziemlich gut Musik, vor allem Klavier, lebte in Linz und schrieb frauenrechtlerische Texte – bis die Nazis ihr Schreibverbot erteilten. Sie sah das als guten Zeitpunkt an, in Pension zu gehen und sich außerdem mehr mit dem Buddhismus zu beschäftigen. Abgesehen von ihrer scheinbar recht gechillten Art und Weise, mit Faschos umzugehen, schrieb sie ziemlich viele Texte über Geschlechterforschung und Sozialismus, verfasste Gedichte und Romane und komponierte Musikstücke. An das meiste davon kann sich heute eigentlich niemand erinnern – ein Straßenname wäre doch eine gute Gelegenheit für einen Refresher?

Ute-Bock-Platz

Wenn Linz auch nur einen unserer Straßennamen nehmen würde – dann bitte diesen. Mit dem Wunsch nach einem Ute-Bock-Platz sind wir nicht alleine: Als die bekannte Menschenrechtsaktivistin und Flüchtlingshelferin aus Linz 2018 verstarb, wurde wenig später eine Online-Petition begonnen, die einen Platz in Wien in den Ute-Bock-Platz umbenennen wollte. Das haben ziemlich viele Leute unterschrieben – umbenannt wurde trotzdem nix. Wenn wir also eh schon dabei sind, politisch und menschlich fragwürdige Persönlichkeiten von den Straßennamen Linz‘ zu verbannen – warum nicht gleich durch das komplette Gegenteil ersetzen? Wir wären jedenfalls stark dafür.

Mathilde-Aloisia-Kralik-von-Meyrswalden-Straße (oder einfach: Kralikstraße)

Zugegeben, in dieser Straße zu wohnen wäre wahrscheinlich sehr regelmäßig sehr umständlich (die ganze lange Namenswurscht in ein Formular einzutragen? Ain’t nobody got time for that!), bei einem so schönen langen Namen wär’s aber auch irgendwie schade, ihn nicht ganz anzuführen. Obwohl Kralikstraße im Notfall auch funktioniert – schließlich geht’s vor allem um die Frau hinter dem Namen. Mathilde Kralik war eine Komponistin aus Linz, die das Glück hatte, in einer, wie soll man sagen, unglaublich g’stopften Familie aufzuwachsen. Das hieß für sie erstens, bei den Besten der Besten zu lernen (wir sagen nur Anton Bruckner!), und zweitens, keinen Finger für ihren Lebensunterhalt rühren zu müssen, wenn sie nicht wollte. Auch schön.

Ihr Reichtum aber ist natürlich nicht das, wofür sie einen Straßennamen in Linz verdienen würde. Stattdessen war sie eine ausgezeichnete Musikerin, die nicht nur regelmäßig sehr beliebte Musiksoirées bei sich zu Hause veranstaltete, sondern sich auch aktiv in circa tausend Vereinen und Bündnissen engagierte. Sogar als Omi war sie noch musikalisch aktiv! Nur über eines schwieg sie eigentlich meistens: ihre Lebensgefährtin Dr. Alice Scarlates. Verständlich – queer zu sein war vor hundert Jahren bestimmt nicht leichter als heute…

Nauheimerweg

Wien hat es schon hinbekommen – dort gibt es eine Nauheimergasse, zu Ehren von, eh logisch, Stefanie Nauheimer. Da die Frauenrechtlerin und engagierte Lehrerin aber in Linz geboren wurde, plädieren wir für eine stahlstädtische Version: Vielleicht ein Nauheimerweg? Verdient hätte sie es auf jeden Fall – Stefanie Nauheimer war nämlich nicht nur überzeugte Feministin, die für die Gleichstellung von weiblichen Lehrpersonen kämpfte, sondern auch die erste Frau, die in einen Bezirksschulrat gewählt wurde. Hut ab!

Fräulein-Flora-Allee

Wenn wir schon dabei sind: Warum eigentlich keine Fräulein-Flora-Allee? Wir stellen uns das recht idyllisch vor, mit Kastanienbäumen am Wegesrand und einem breiten Radweg. Vielleicht plätschert im Hintergrund ein kleiner Bach, Kinder malen mit Kreide auf den Asphalt, Vöglein zwitschern melodisch. Peter Fox ruft an, er will ein Lied für uns schreiben: Am Ende der Stahlstadt führt ne Allee zum See, Kastanienbaumblätter liegen auf dem Weg….Hach.

Ach so, und: Mimimi, was ist mit den ganzen Männern?

Falls euch schon aufgefallen ist, dass wir hier nur Frauennamen vorschlagen – das hat einen Grund. Und zwar einen ziemlich guten, wie wir finden: In Linz gibt es insgesamt 556 Straßen, die nach Personen benannt sind. Davon allerdings nur 46 nach Frauen! Da schadet es auf keinen Fall, jetzt endlich einmal ein paar (hundert…) coole Frauen zu ehren. Wie hat Stronach gesagt? Frauen sind ja schließlich auch nur Menschen wie wir.