Botanischer Sommernachtstraum in Linz
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Ein Botanischer Sommernachtstraum

Wir waren beim Stationentheater im Botanischen Garten.

„Ich hab den Sommernachtstraum nie so wirklich gemocht“, sagt Regisseur David Jentgens und zieht an seiner Zigarette. Hinter ihm quaken Frösche im Teich, Wind streicht durch Sträucher aus Asien, Afrika, Amerika, Kinder laufen mit Lichterketten behangen barfuß durchs Gras. Wir sitzen im Botanischen Garten Linz, der Tag geht langsam zu Ende und in etwas weniger als zwei Stunden wird David hier sein neuestes Stück aufführen: ausgerechnet Shakespeares Sommernachtstraum.

Die Premiere ist am 18. Juli, wir treffen uns aber schon früher, bei einer der Vorpremieren. Während wir gemeinsam sprechen, über sein Leben in Italien, ausgehende und gestrichene Fördergelder, eine Vergangenheit in ganz Europa, aber bitte ja nicht im deutschsprachigen Raum, bereiten sich hinter uns die Schauspieler*innen auf ihren Auftritt vor. Viele davon spielen nicht professionell Theater, mehr als die Hälfte sogar, erklärt David.

Botanishcer Sommernachtstraum Linz

Botanischer Sommernachtstraum: Ein Stationentheater

Später, bei der Vorstellung, wird man nichts davon merken. Auf der Freiluftbühne im hinteren Teil des Botanischen Gartens beginnt das Stück, nach ungefähr einer halben Stunde macht sich das Publikum gemütlich auf den Weg durch die Vegetation. Während der Himmel langsam immer dunkler wird, tanzen Elfen durch Nebelfelder, werden Esel verführt und Liebende verwirrt, Handwerker improvisieren in Mundart, zwischendurch verwandeln funkelnde Skulpturen den Garten in eine andere Welt.

Stationentheater Botanischer Sommernachtstraum Linz

„Wie eine Vorlage für Ronaldo, um ein Jahrhunderttor zu schießen“, sagt David zur Wahl des Stückes. Auch, wenn er nie ein Fan vom Sommernachtstraum war – für den Botanischen Garten passt fast nichts besser. Andererseits wollte der Regisseur ja schließlich auch nie nach Österreich („Ich war als Kind in Österreich auf Urlaub mit meinen Eltern und mein Vater hat mich auf die Berge geschleppt“, erzählt er, außerdem: „Ich hab’s gehasst“), hat dann aber doch irgendwie den Weg nach Linz gefunden.

Die Liebenden im Botanischen Sommernachtstraum

Mach ma a Theaterstück!

Der Botanische Sommernachtstraum ist sein erstes Stück nach drei Jahren Pause. In der Stahlstadt begann der ehemalige Theaterdirektor nämlich erst mal als Infotrainer im Ars Electronica Center. Dort fing das mit dem Theater im Botanischen Garten auch erst an – als Projekt für die verstorbene Mutter seines Kollegen, mit einem Ensemble aus Arbeitskolleg*innen und Berufsschauspieler*innen und einer Location zum Verlieben.

Fee beim Botanischen Sommernachtstraum

„Das haben wir dann durchgezogen“, meint David, komplett mit Gründung eines Theater- und Kulturvereins. Limbic 3000 heißt der, vom limbischen System, also dort, wo im Gehirn Emotionen entstehen – weil hier Projekte gemacht werden, die „aus dem Herzen und dem Bauchgefühl kommen“. Wenn man in der Abendsonne durch den Botanischen Garten durch tanzende Elfen und Lichtermeere wandelt, fällt es nicht schwer, das auch selbst zu spüren.

Wer das auch gerne möchte, beeilt sich am besten – die Premiere am 18. Juli ist schon restlos ausverkauft. Alle weiteren Spieltermine und Tickets gibt’s hier.